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Die Angara 4: Mündung beim Mysterium

Noch zwei weitere Stauseen durchfließt die Angara auf ihrem Weg zum Jenissei - den Ilimsker Stausee (vom Stauvolumen die Nummer 12 der Welt) und den Bogutschnny Stausee. Dies Besiedlung der Fluß- bzw. Seeufer wird hier wieder dünner, die Landschaft ursprünglicher, sibirischer und zur Angaramündung hin auch gebirgiger. Die Angara heißt hier auch Obere Tunguska.

Tunguska ist ein Begriff, der Anfang des letzten Jahrhunderts eine große Berühmtheit erlangte. Am hier parallel zur Angara verlaufenden Schwesterfluss, der Steinigen Tunguska, ereignete sich eine gewaltige Explosion, die im Umrkreis von 30 Kilometern alle Bäume entwurzelte, in einer 65 Kilometer entfernten Siedlung alle Fensterscheiben zerstörte und noch in über 500 Kilometern Entfernung sicht-, spür- und hörbar war. Nach späteren Berechnungen war die nötige Explosionskraft für eine solche Detonation die von 10-15 Megatonnen TNT, das entspricht das über 1000fache der ersten Atombombe über Hiroschima. Nur der völligen Menschenleere der Explosionsgegend ist es zu verdanken, dass keine Todesopfer zu beklagen waren.

Was hat nun diese Explosion ausgelöst ? Hier gibt es seit 100 Jahren die verschiedensten Gerüchte, auch weil erst 1927 eine russische Expedition die Einschlaggegend genauer untersucht hat. Viele Wissenschaftler gehen heute von einem abgestürzten Kometen oder Asteroiden aus, der über dem Erdboden explodiert sein muss, denn einen Krater hat er nicht hinterlassen. Andere Forscher gehen von einer gigantischen natürlichen Erdgasexplosion aus, die jedoch aufgrund der dafür zu großen Leuchtkraft des Ereignisses eher unwahrscheinlich ist. Aufgrund der fehlenden entgültigen Klärung zieht das Tunguska-Ereignis bis heute jede Menge Fantasten, Esoteriker und Verschwörungstheoretiker an, deren Erklärungsversuche von UFO-Abstürzen über geheime sowjetische Technologieversuche bis hin zu Abstürzen Schwarzer Löcher oder einer natürlichen Nuklearexplosion reichen.

Doch verlassen wir nun wieder dieses mysteriöse Ereingnis vor hundert Jahren in diesem gleichnamigen Nachbarflusstal und begeben uns zurück zur Angara, die mittlerweile an ihrer Mündung im Jenissei angekommen ist. Auch diese findet wieder überdimensioniert in einem Stausee statt, der von einer Staumauer des Jenissei flussabwärts herrührt. Monumental mutet so das Treffen der beiden Ströme an, der Jenissei ist nicht zuletzt auch durch den Zufluss der Angara der wasserreichste Strom Sibiriens und der sechslängste Fluss der Erde.

Satellitenaufnahme: Flusslauf der Angara vom Bratsker Stausee bis zur Mündung in den Jenissei

Foto: NASA

So finden wir also am Ende die Vereinigung der Angara mit ihrem Geliebten, die auch Vater Baikal mit seinem Felsenwurf nicht verhindern konnte. Und nach unteilbarer Vermischung fließen die Wasser der beiden Ströme noch tausende von Kilometern nach Norden, bis sie sich weit weit entfernt bei der Karasee ins Nordpolarmeer ergießen.

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