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Uralfahrt: Vorgeschichte

Auch oder gerade mit zuvoriger Erfahrung von fünf weitab vom Pauschaltourismus durchgeführten Russlandreisen im Rücken macht man sich die Entscheidung für eine Autofahrt in den Ural und zurück - mehr als 9000 km durch Mittel- und Osteuropa - nicht leicht. Lange haben meine Frau und ich hin und her überlegt, bevor wir uns für den Mammuttrip Deutschland-Ural-Deutschland entschieden haben.

Zum einen waren es praktische Gründe, die uns dazu bewegten, diese Reise zu machen. Meine Frau hielt sich studienbedingt bis Juni 2002 in Orenburg am Ural auf. Viele Sachen warteten dort zusammen mit ihr, heim transportiert zu werden. Sachen, die bei einer gemeinsamen Bahn- oder Flugreise nur die Verschickung stückchenweise mit der Post zugelassen hätten, da sie jedes Gepäcklimit überschritten. Da waren auch Besuchspläne bei vielen Freunden und Bekannten in der Uralregion, die ohne eigenen fahrbaren Untersatz wegen der riesigen Entfernungen unmöglich gewesen wären.

Zum anderen, das muss ich ehrlich zugeben, war da aber auch meine Abenteuerlust und mein Interesse an Autofahren in Russland und Osteuropa an sich. Bereits nach meiner dritten Russlandreise, die mich nach Sankt Petersburg geführt hatte, fühlte ich mich erstmals mit dem Gedanken spielen, auch einmal eine Autoreise dort hin zu unternehmen. Nach Tschechien Anfang der 90er und Polen in deren Mitte war es nun im neuen Millenium endlich an der Zeit, auch russische Straßen umfangreich mit dem eigenen Auto auszutesten. Bereits drei Bücher und unzählige online verfügbare Reiseberichte zum Thema Autofahren in Russland hatte ich zum Zeitpunkt der Reise regelrecht verschlungen.

Als der Gedanke an einer Abholung meiner Frau per PKW am Ende ihres letzten Studienabschnitts in Russland mehr und mehr Gestalt annahm, auch sie selbst war von der Idee angetan, passierte etwas, was die Pläne wieder ins Wanken brachte: Meine Frau wurde, kurz bevor sie zum letzten mal alleine Richtung Russland aufbrach, schwanger - und das wurde erst dort vor Ort festgestellt. Besorgt um ihr Wohlergehen schwand urplötzlich meine Begeisterung für die Automobil-Mammutreise und erneut waren bereits begrabene Bahn- und Flugreisepläne hoch im Kurs. Nachdem jedoch auch diese im hinteren Russland keine stressfreien und für Schwangere empfehlenswerte Fortbewegungsarten waren und beide innerhalb des Urals über 1000km Linienbus und Zug mit zahlreichem Umsteigen notwendig gemacht hätten, haben wir uns am Ende nach ärztlicher Rückversicherung bei unserer deutschen Hausärztin dennoch für die Variante Autoreise entschieden. Zum Glück war die Schwangerschaft zum Reisetermin noch nicht allzu weit fortgeschritten.

Aber da war noch ein Problem. Obwohl ich mich immer individual mitten unter den Einheimischen in Russland aufgehalten hatte sprach ich bedingt durch meine völlig fehlende Fremdsprachenbegabung nur wenige Brocken Russisch. Ohne Russischkenntnisse oder russischsprachige Begleitung sind jedoch Fernreisen innerhalb Russlands auf eigene Faust nahezu unmöglich. Englisch- oder Deutschsprechende sind im östlichsten Land Europas absolute Mangelware.

Und da meine Frau ja mitsamt ihren fließenden Russischkenntnissen schon im Ural war, benötigte ich für die Hinreise jemand, der mit mir fuhr. Als Webmaster von einer ganzen Reihe Homepages - auch und vor allem über Russland - und eifrigem Internet-Nutzer kam mir natürlich sofort eine Idee, wo ich einen solchen Mitfahrer am besten finden würde: Im World Wide Web.

Und so verbrachte ich mehrere Nachmittage und Abende mit dem Schreiben von Anzeigen auf Russlandseiten in Deutschland und allerlei großen und kleinen Online-Mitfahrzentralen und -Reisepartnervermittlungen. Ich weiß mittlerweile nicht mehr, wie viele solche Anzeigen ich schaltete, aber es mögen am Ende locker mehrere Dutzend gewesen sein.

Das Echo auf diese Anzeigen war zunächst ebenso überwältigend wie enttäuschend. Beinahe täglich bekam ich Emails und Antworten bezüglich meiner Reisepläne, doch verbindliche Zusagen erntete ich keine. Leute mailten mich an, fragten nach Details und ließen dann nie wieder was von sich hören, Leute meldeten Interesse an, sagten ´so gut wie´ zu, sprangen dann wieder ab, Leute wollten sicher mitfahren, sagten komplett zu und zogen ein paar Tage später ihre Zusage dennoch wieder zurück. Nach ein paar Wochen hatte ich eine wirklich illustere Gesellschaft von Interessierten zusammen: Abenteuerreisende in den Kaukasus (warum auch immer dort jemand trotz Krieg hinwollte), Russische Studenten in Deutschland, Männer, die via Internet eine Freundin in Russland gefunden hatten, Fahrrad- und Motorroller-Touristen mit Ziel Ural und Sibirien und Dutzende andere Leute mit ungenannten Reisemotiven. Die Krönung des ganzen war ein ZDF-Fernsehteam des Magazins "Die Reporter" mit dem ich wegen einer möglichen Begleitung mehrere Emailwechsel und Telefonate hatte, nachdem mich ein Kameramann von dort angesprochen hatte.

Im Endeffekt fand ich dann doch nur über meine eigene Seite www.nachrussland.de eine reisewillige und russisch sprechende Frau. Sie hieß Brigitte Doege, hatte mehrere Monate bei einem humanitären Hilfsprojekt in Kaliningrad gearbeitet und wollte einfach bis Orenburg mit. Die Reise konnte los gehen.

(weiter geht es HIER und zur Übersicht der Uralfahrt HIER)

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