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| In die Ukraine bis hinter Kiew |
Über keine Grenze auf unserer Reise hatten wir so viel Schlechtes gehört, wie über die zwischen Polen und der Ukraine. Von fünf, ja zehn Stunden Wartezeit war die Rede und so schwante uns Übles, als wir auf gut ausgebauten polnischen Landstraßen dem Übergang Przemysl/Mostyska entgegenfuhren. Unterwegs tankten wir noch einmal, da wir über die Ukrainischen Dieselpreise absolut nicht im Bilde waren und Kraftstoff in Polen auf jeden Fall etwa ein Drittel billiger war, als in Deutschland.
Wir erreichten den Grenzübergang noch sehr früh am Morgen und es war wenig Betrieb. Da sich die Polen auf pure Ausweiskontrolle beschränkten, hatten wir ihren Kontrollposten zur Ausreise bereits nach fünf Minuten passiert und fuhren vor bis zu einem Schlagbaum.
Dieser stellte die erste Station der ukrainischen Einreiseprozedur dar, die in der Tat um einiges umfangreicher und komplizierter war, als irgendeine im westlichen oder mittleren Europa, auch außerhalb der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.
An Posten 1, ein einsamer Grenzpolizist an einem Schlagbaum, wurden die Pässe und Visa kurz kontrolliert und man bekam einen Zettel pro Auto und jeder Mitreisende ein Formular zum Ausfüllen, das auf Ukrainisch und Englisch geschrieben war. Es bestand aus einem Einreiseteil, den man dann bei Posten 2, einem Autoschalter wie an Westgrenzen, ausgefüllt abgab und einem Ausreiseteil, den man für die Dauer des Transits aufbewahren und bei Polizeikontrollen vorzeigen musste. Posten 2 kontrollierte noch einmal die Pässe , Visa und auch die Fahrzeugpapiere und wies Brigitte und mich an, den Wagen an der Seite zu parken, zu verlassen und sich zu einem Büro am Straßenrand (Posten 3) zu begeben. Wofür, sagte man uns noch nicht, aber wir dachten uns auch, das würde man uns schon noch sagen. Auch alle anderen Insassen nicht-ukrainischer Fahrzeuge, außer uns nur Polen und Russen, teilweise jedoch in Fahrzeugen mit deutschem Nummernschild, schienen sich dorthin zu begeben zu müssen, während die Ukrainer von Posten 2 sofort ins Landesinnere weiterbrausen durften.
Posten 3 in besagtem Büro, eine ältere Dame in Zivil, kontrollierte dann erst noch einmal die Pässe, Visa und Fahrzeugpapiere, legte unsere gesammelten Dokumente vor sich hin und tippte eine ganze Weile deren Inhalt sowie unsere Reiseroute in einen neu wirkenden PC ein. Danach reichte sie uns einen Zettel, mit dem wir dann zu Posten 4 (ein benachbartes Büro mit einer Registrierkasse) gehen mussten, um dort eine Transitgebühr für unser Auto zu zahlen. Die Gebühr war in Grivna zu entrichten, der Ukrainischen Währung. Das war ziemlich dumm für uns, denn wir hatten keinerlei Grivna, von denen wir erst später erfuhren, dass sie auch auf der polnischen Seite der Grenze zu haben waren. So mussten wir vor Ort tauschen, zu einem grottenschlechten Kurs, die Quittung bei Posten 3 vorzeigen, dort die vollgetippte Deklaration unseres Fahrzeugs in Empfang nehmen und dann zurück zu Posten 2 (dem Autoschalter) spazieren, wo noch unser Bus stand. Der dortige Posten suchte mittlerweile verzweifelt auf einer riesigen Ukrainekarte unseren Ausreise-Grenzübergang nach Russland. Glücklicherweise hatte ich vor der Reise wirklich umfangreich alle möglichen Karten studiert und konnte ihm diesen auch auf seiner ukrainischsprachigen Landkarte zeigen. Zum Dank erhielten wir Stempel in unsere Pässe und auf den Zettel von Posten 1 und der Posten ging mit mir zum Kofferraum unseres Busses zur Gepäckkontrolle.
Die Untersuchung war eher sporadisch. Ein Blick in eine zufällig ausgewählte Tasche hier, in eine andere Kiste dort, das war´s. Schon bald ließ man uns den Kofferraum schließen, reichte uns unsere Pässe und bedeutete uns, weiterzufahren. Zu Posten 5, wir wir nach etwa 10 Metern feststellten - einem weiteren einsamen Schlagbaum-Bewacher. Diesem reichten wir zur Probe erst einmal unsere Pässe und Fahrzeugpapiere mitsamt den an der Grenze erhaltenen Ausreisekarten, Quittung und der Deklaration. Er war jedoch der erste, den der beachtliche Papierstapel überhaupt nicht interessiert. Er fischte lediglich den Zettel von Posten 1 aus dem Papierstapel, schaute nach dem Stempel von Posten 2, steckte den Zettel ein und ließ uns passieren. Wir waren frei, hinter dem Schlagbaum befand sich nur noch das weite Land der Ukraine.
Die Grenzkontrollen Russlands und der Ukraine funktionierten alle nach einem festen System, wie wir später feststellten. Man erhielt immer am Anfang eine Art Laufzettel, den man ganz am Ende wieder abgab. Aufgebrachte Stempel bewiesen dem Abschlusskontrolleur, dass man alle vorgeschriebenen Stationen der Kontrolle durchlaufen hatten. Die Anzahl dieser Stationen variierte von Grenzübergang zu Grenzübergang. Dass das manchmal noch um einiges mehr waren, als bei der Einreise von Polen in die Ukraine, sollten wir erst später feststellen. Die Abfertigung durch den Ukrainischen Zoll hatte insgesamt inklusive Wartezeiten etwa 90 Minuten gedauert. Angesicht der zuvorigen Horrorstories ein für uns voll und ganz befriedigendes Ergebnis.
Hinter der Grenze war ein riesiger Markt und Reisende, meist Polen, in unserer Gegenrichtung versuchten, an zahlreichen Ständen mit verschiedenstem Angebot ihre Grivna loszuwerden, die man nur zu einem äußerst schlechten Kurs in Euro oder Zloty, der polnischen Währung, zurücktauschen konnte. Doch uns stand so früh am Morgen noch nicht der Sinn nach einem Halt und so fuhren wir schnurstracks von der Grenze weg in das Gebiet von Lviv ein, die ukrainische Grenzregion zum südlichen Teil Polens.
Die Region und die Stadt Lviv sind eine interessante Mischung aus einem tiefen osteuropäischen und für den unbedarften Beobachter russisch anmutenden Charakter und teilweise leicht verfallenen Überbleibseln einer Epoche dieser Region, als Lviv noch Lemberg hieß und Teil des Territoriums der KUK-Monarchie Österreich-Ungarn war. Russisch-Orthdoxe Kirchen mit Zwiebeltürmen und byzanthinischer Architektur säumen den Wegrand ebenso wie österreichisch anmutende alte Wohnhäuser. An die Kaliningrad-Region - dem ehemaligen Ostpreußen - fühlt man sich ein wenig erinnert, nur dass die Spuren aus alter Zeit ein bißchen weniger deutsch und ein bißchen mehr nach Alpenrepublik wirken. Und dass man sich nicht in Russland befindet - was auch ungeübten Beobachtern ständig, ja fast penetrant von den Ukrainern mit der ständigen Präsenz ihrer Nationalfarben blau-gelb in jeder noch so kleinen Ortschaft - selbst alle Bushaltestellen sind in den Farben angemalt - demonstriert wird, zumindest hier in der Westukraine. Hinweisschilder und Wegweiser sind oft doppelt beschriftet, in kyrillischer und lateinischer Schrift, was westlichen Autofahrern die Navigation jedoch nicht besonders erleichtert, da sie oft an wichtigen Weggabelungen vor allem in Städten schlicht und ergreifend fehlen. Mehr als einmal haben wir uns aus diesem Grund verfahren und nicht nur wir, wie ich in zahlreichen anderen Berichten von Autoreisenden in der Ukraine gelesen habe.
Man fährt in eine andere Welt, wenn man die polnisch-ukrainische Grenze überschreitet. Eben noch in einem Land, das auf dem besten Weg zu einer EU-Mitgliedschaft ist, in dem mammutartige Einkaufszentren, postmoderne Glaspaläste, Mc Donald´s und OBI ebenso zum allgegenwärtigen Erscheinungsbild gehören, wie in Deutschland, befindet man sich nun, wie es einmal eine andere Reisende ausdrückte, plötzlich mitten in Osteuropa. Die durchschnittliche Qualität des Straßenbelags verschlechtert sich schlagartig hinter der Grenze, westliche Markennamen in der allgegenwärtigen Werbung befinden sich plötzlich in der Minderheit. Kleine Geschäfte, durchweg Gemischwarenläden, säumen den Straßenrand. Statt herausgeputzten Restaurants finden sich nur noch die auch in Russland überall vorhandenen Cafés und ´Schaschliks´, beides nichts weiter als preisgünstige Imbisslokale.
Die Straßensitten werden ebenso schlagartig rauher wie die Straßendecke. Gewarnt von anderen Reisenden vor umfangreichen Polizeikontrollen brausten wir mit mit unserem Bus mit den vorgeschriebenen 90 km/h außerorts dahin. Wir waren außer Moskwitsch- und Uralt-Lada-Fahrern so ziemlich die einzigen und ständig zogen ukrainische Fahrzeuge westlicher Marken mit halsbrecherischerischen Geschwindigkeiten an uns vorbei, wenn sie nicht gemeinsam mit uns hinter riesigen und gähnend langsamen Ost-Trucks hingen. Auch später noch bemerkten wir, dass Besitzer von Autos westlichen Fabrikats dieses in Russland und der Ukraine ebenso mit Bleifuß fuhren, wie sie es mit ihren alten Moskwitschs getan hatten - mit dem Unterschied, dass ein Bleifuß-BMW nun mal eben etwas schneller wurde, als maximal 100 km/h bergab.
Nach kurzer Zeit erreichten wir Lviv, das Zentrum dieser Region, das wir jedoch großräumig umfuhren. Wie andere Städte in der Ukraine hatte sie gleich eine ganze Reihe von Namen, neben Lviv auch noch Lvov, der russischen Version, noch heute unter Russen gebräuchlich und Lemberg aus der österreichischen Zeit. Eine regionale Fernstraße führte von der Stadt weiter ins Landesinnere auf Kiew zu, um sich in der nächsten Großstadt Rivne in die erste ukrainische Autobahn zu verwandeln.
Autobahnen in Russland und der Ukraine sind nicht mit solchen westlichen Zuschnitts zu vergleichen. Ortsdurchfahrten ohne jede Abtrennung von den Fußgängern, Einmündungen ohne Beschleunigungsspur, auf dem Mittelstreifen grasende Kühe, Park und Picknickerlaubnis auf der Standspur und zahlreiche fliegende Händler am Straßenrand geben den vierspurigen Straßen des Ostens einen völlig anderen Charakter, als ihn solche in Westeuropa haben.
Wir waren dennoch dankbar für die vierspurige Straße, die das Fortkommen wesentlich erleichterte. Auch bei den allgegenwärtigen Polizeikontrollen hatten wir bisher trotz westlichem Nummernschild nicht halten müssen. Zu unserem Vorteil erkannte man uns in unseren ältlichen VW Bus auch erst im letzten Moment als Ausländer, da sowohl die ukrainischen, als auch die russischen Autoschilder mit schwarzen Lettern auf weißem Grund gestaltet sind. Mehr als einmal sollte es uns später passieren, dass wir im letzten Moment von der Milizia, wie man die Polizei hier nannte, als fremd erkannt und gerade noch so an den Straßenrand gewunken wurden.
100 km nach Beginn der Autobahn in Rivne sollten wir dann doch unangenehmen Kontakt zu ukrainischen Ordnungshütern bekommen, über den wir bereits vor der Reise sehr viel schlechtes gehört hatten. Wir überholten gerade einen Lieferwagen mit deutschem Nummernschild, den ersten, den wir seit der Grenze, gesehen hatten, als wir von einer in einer Parkbucht stehenden Miliziaeinheit herausgewunken wurden.
Brav und mit ungutem Gefühl fuhren wir heraus. Geschwindigkeitsbegrenzungen hatten wir keine gesehen und waren uns auch sonst keines Verkehrsverstoßes bewusst. Die beiden Polizisten kontrollierten unsere Dokumente, bedeuteten uns auszusteigen und ihnen zum Streifenwagen zu folgen. Dort angekommen erklärten sie Brigitte auf russisch, wir hätten ein Überholverbot missachtet, müssten unseren Führerschein übernacht hier lassen und morgen auf der Polizeiwache nach Begleichung einer Strafe wieder abholen.
Ich protestierte. Ich wollte noch an diesem Tag Poltava in der Ostukraine erreichen und erzählte etwas von meiner schwangeren Frau, die in Russland auf mich wartete. Ich hatte auch kein Überholverbotsschild gesehen, dass ich der Ukraine ebenso aussah, wie in deutschen Landen. Weiterhin prangten am Standort des Milizautos deutlich sichtbar am Wegesrand große blaue Schilder mit zwei weißen parallelen Pfeilen in meine Fahrtrichtung. Das müsse doch, ebenfalls analog zu Deutschland, bedeuten, dass es in unsere Richtigung zwei Fahrspuren gab und ein Überholverbot kaum möglich sei. Die Milizionäre blieben hart. Die Strafe müsse morgen in einer Bank gezahlt werden.
Wir änderten daraufhin unsere Taktik. Wir würden die Strafe bezahlen, aber sofort in bar und Euro, da wir nur genügend Grivna zum tanken hatten. Geistesgegenwärtig erzählte Brigitte, dass uns unser Transitvisum durch die Ukraine zur heutigen Ausreise verpflichte und wir andernfalls an der Grenze ernsthafte Probleme bekommen würden. Das stimmte natürlich nicht, zeigte aber Wirkung. Zunächst sträubten sie die beiden Polizisten ein wenig, aber dann lenkten sie ein. Sie nahmen 45 Euro in Empfang, händigten uns unsere Papiere aus und ließen uns weiterfahren. Quittung bekamen wir keine - wie auch später nicht, beim begleichen einer anderen, kleineren Strafe in Russland. Wie uns immer wieder Russen erzählten, benutzten ukrainische und russische Polizisten solche bar eingenommene Strafen zur Aufbesserung ihres Gehalts. Bevorzugt standen sie hierbei nach Einheimischen-Auskunft absichtlich an Stellen mit widersprüchlichen oder schwer erkennbaren Verbotsregelungen, damit die Lohnaufbesserung auch rentablen Umfang besaß. Allerdings würden die landesüblichen Strafen wesentlich niedriger sein und wir hätten einen kräftigen Ausländeraufschlag gezahlt. Die Autofahrer wehrten sich gegen diese Praktiken mit konsequenter Lichthupen-Warnung vor allen Verkehrskontrollen, wobei dieses Warnsystem in Russland wirklich ausgezeichnet funktionierte, in der Ukraine nur teilweise und mehr im östlichen Landesteil.
Da wir uns bereits mehrere hundert Kilometer im Landesinneren befanden und dies die erste Kontrolle und Strafe der Milizia gewesen war, waren wir über den Verlust der 45 Euro nicht allzu entrüstet. Von Reisenden in früheren Jahren hatten wir von einer weitaus höheren Zahl von Polizeikontrollen gehört, oft kombiniert mit Abzocke im kleineren Umfang, die sich auch auf höhere Beträge summiert hatte. So fuhren wir denn weiter auf der ukrainischen Autobahn M17 auf Kiew zu, während sich dieser unser zweiter Reisetag seinem Ende zuneigte und die Straße nahe der Hauptstadt mehr und mehr belebt wurde.
Als wir in Kiew ankamen, etwa 1500 Kilometer hinter unserem Aufbruch, war es bereits später Abend. Was die täglich zu absolvierende Strecke anging, hatte ich mich ein wenig verkalkuliert. Poltava, unser Planziel von Tag 2 und über 350 Straßenkilometer hinter Kiew in der Ostukraine gelegen, würden wir heute auf keinen Fall mehr erreichen können. Für eine Tagesstrecke in Russland und der Ukraine musste man locker 200 bis 300 Kilometer weniger veranschlagen, als in Mitteleuropa, auch wenn man von morgens bis abends durchfuhr.
Im Gegensatz zu sehr vielen Großstädten in Russland und Ukraine war Kiew nicht von einem der großzügigen Autobahnringe umgeben und es war erforderlich, direkt in die Stadt hineinzufahren, da unser Ziel auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt im Osten lag. Anfangs ging auch alles gut. Wir fanden Wegweiser nach Charkiv, der letzten Großstadt auf unserem Weg zur ukrainisch-russischen Grenze und fuhren vorbei an der obligatorischen Milizkontrolle am Stadteingang auf vierspurigen Stadtautobahnen durch die riesige Metropole, die einstmals hinter Moskau und Sankt Petersburg die drittgrößte Stadt der Sowjetunion gewesen war. Die Architektur von Kiew ist im Stadtinneren gewaltig, teilweise monumental und wir fuhren an immer größeren Gebäudekomplexen und Denkmälern vorbei unseren Schildern nach Charkiv nach. Bis die breite Stadtautobahn, die in Richtung Charkiv beschildert war, plötzlich endete. Geradeaus befand sich nur noch die Wand eines riesigen Hauses und links und rechts zweigten kleine Straßen ab, die unbeschildert in unbekannte Tiefen der Innenstadt führten. Wie zu oft in der Ukraine endete der beschilderte Weg in die nächste Großstadt apprupt in einer zweifelhaften Gabelung ohne Hinweise auf den weiteren Weg.
Hier war es somit Zeit für den ersten Einsatz unseres mitgeführten Kompasses. Von der Grundrichtung hatten wir es sehr einfach, da unsere gesamte Reise immer nur nach Osten führte und so schlugen wir denn auch den östlichen der beiden Wege ein. Die Straße führte vorbei an einem riesigen Platz und Gebäuden, die ein wenig nach Regierungsarchitektur aussahen und in denen im Moment unserer Vorbeifahrt gerade der Strom ausfiel zur nächsten unbeschilderten Gabelung. Hier führte der östliche Weg nach einer Weile auf einen großen Parkplatz und so mussten wir zurück und einfach den anderen auf gut Glück nehmen.
Noch etwa eine Stunde irrten wir so in der Millionenmetropole herum, bis wir mit viel Glück auf einen Zubringer zur Brücke über den Dnjepr gelangten, der durch Kiew von Nord nach Süd hindurchfloss und von dem wir wussten, dass wir ihn auf dem Weg nach Osten überqueren mussten. Es war ein gewaltiger Strom, neben dem sämtliche west- und mitteleuropäische Flüsse verblassen, egal wie viel populärer Rhein, Elbe, Oder, Seine oder Po auch sein mögen. Mit über 2000 km Länge ist er der viertgrößte Strom Europas und majestätisch floss er unter der von uns so glücklich gefundenen Brücke dahin.
Hinter der Brücke und dem ersten von uns in der Ukraine erspähten Mc Donalds, der hier wie ein westliches Konsulat inmitten eines Plattenbautenviertels wirkte, fanden wir denn auch plötzlich wieder Schilder nach Charkiv die uns zeigten, dass wir mehr oder weniger zufällig wieder auf die richtige Ausfallstraße gelangt waren. Glücklich wegen der überstandenen Stadt-Odysee brausten wir noch mehrere Stunden aus dem Großraum Kiew heraus in die Ostukraine hinein, bevor ich aus Müdigkeit endgültig in die Federn musste, etwa 250 km vor unserem Tages-Planziel Poltava.
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