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| Deutschland, Tschechien, Polen |
Nachdem ich in den frühen Morgenstunden meine drei Mitfahrer aufgelesen hatte, neben Brigitte zwei jungen Tschechen auf der Heimreise, näherten wir uns gegen 9 Uhr bei Schirnding unserer ersten Grenze: Deutschland-Tschechien. Der Verkehr war vergleichsweise gering und so dauerten die Grenzformaltitäten keine 10 Minuten. Selbst die sonst schier endlosen LKW-Schlangen waren an diesem Tag von bescheidenen Ausmaßen.
Nachdem wir uns die seit einiger Zeit vorgeschriebene tschechische Autobahnvignette zugelegt hatten, wollte ich so schnell wie möglich das von Deutschen überlaufene tschechische Grenzgebiet zur Bundesrepublik verlassen. Ich war in der ersten Hälfte der 90er ein sehr großer Fan Tschechiens gewesen. Das Land strahlte eine gewisse Gemütlichkeit und natürliche Freundlichkeit für mich aus. In der Grenzregion ist es jedoch in der zweiten Hälfte der 90er zu einem wahren Konsumtempel für Kaffeefahrer und Hobbyfeilscher verkommen, die in den Geschäftsstraßen Egers (Cheb) und Marienbads (Marianske Lazne) zahlenmäßig die einheimische Bevölkerung bei weitem übertreffen. Erst hinter Prag, der ersten großen Metropole, die wir auf unserer Reise passierten, merkte ich, dass das alte gemütliche Tschechien noch existierte und man nur um einiges tiefer in das Land hineinfahren musste, um es zu finden. Ab Prag wirkte die Tschechische Republik trotz zahlreicher westlicher Reklameschilder noch immer wie Anfang der 90er.
Das Finden der Autobahn nach Brünn, unserer nächsten größeren Station, war dank einer ausgezeichneten Beschilderung in der Periphärie der "Goldenen Stadt" Prag ein Kinderspiel und schon bald rollten wir auf der wichtigsten innertschechischen Autobahn Prag-Brünn Richtung Osten dahin.
Ich habe im Internet einmal gelesen, Russland- oder Polenreisen über Tschechien rentieren sich auch für Bayern und Österreicher nicht, da die schlechte Qualität der Straßen den Zeitgewinn gegenüber der längeren Route über Sachsen unter Null schmälert. Wer auch immer das schrieb: Er musste vor sehr langer Zeit in Tschechien gewesen sein. Die innertschechischen Autobahnen waren ausgezeichnet ausgebaut und schon am frühen Nachmittag hatten wir Brünn, die Hauptstadt Mährens unweit der polnischen Grenze erreicht. Dort verabschiedeten wir uns von unseren beiden tschechischen Mitfahrern und steuerten auf einer recht kurvigen Strecke durch die Sudeten den tschechisch-polnischen Grenzübergang Tesin/Cieszyn an. Zahlreiche österreichische Autos bewiesen uns, dass auch andere trotz einschlägiger Warnungen via Tschechien über die CR Transit nach Polen fuhren.
Die tschechisch-polnische Grenze war die schnellste von allen. Zweimal kurz die Pässe vorgezeigt, auf eine polnische Frage mit "nix-verstehen" geantwortet und durch waren wir - nach nicht einmal drei Minuten.
So schnell, wie man uns in das Land hinein lies, so lange wollte man uns in Polen offenbar auch behalten. Aus Geiz wegen eventueller polnischer Autobahngebühren, über deren Existenz und Höhe wir nicht wussten, fuhren wir von der Grenze per Landstraße nach Krakau, unserer nächsten Metropole am Weg. Sie war völlig überfüllt und führte im dicht besiedelten Oberschlesien durch hunderte von Ortschaften, so dass wir nur sehr langsam voran kamen und es schnell Abend wurde, ohne dass wir in den letzten Stunden merklich vorwärts gekommen waren.
Erst hinter Krakau, das wir großräumig umfuhren, besserte sich die Lage und am späten Abend brausten wir auf der teilweise vierspurig ausgebauten polnischen Nationalstraße Nr. 4 Richtung Ukraine merklich flotter dahin. Westeuropäische Autos gab es hinter Krakau kaum noch. Trotz einer hübschen hügeligen Landschaft ist Südost-Polen im Gegensatz zum Westen oder dem Masurischen Seenland touristisch kaum erschlossen.
Etwa um 23 Uhr passierten wir dann Rzeszow. Diese im Westen eher unbekannte südostpolnische Großstadt war unser letzter Meilenstein, bevor wir über die Ukrainische Grenze ins tiefe Osteuropa einfuhren. Rzeszow musste wir direkt durchqueren und trotz der Dunkelheit fiel einem sofort die bunte Bemalung aller Plattenbauten der kommunistischen Ära auf, mit der die Bevölkerung den einstmals tristen Viertel der Stadt neues Leben einzuhauchen versuchte. Weiterhin gab es in Rzeszow eine ganze Reihe futuristisch anmutender neuer Kirchen. Die tief gläubigen Katholiken Polens hatten sich hier offenbar alle Mühe gegeben, den Mangel an Kirchenbauten der kommunistischen Zeit durch eine regelrechte Bauwut in den 90er Jahren auszugleichen.
Der Weg durch die Stadt in Richtung ukrainischer Grenze war trotz zahlreicher Windungen einfach zu finden. Große Schilder allerorten wiesen den Weg und erst später sollten wir merken, was es bedeutete, wenn ein solcher Service völlig fehlte.
Als wir die Stadt verließen, war es bereits 23:30 Uhr und abzüglich einiger Pausen waren wir schon seit dem frühen Morgen ununterbrochen unterwegs. Die polnisch-ukrainische Grenze war an diesem Tag nicht mehr zu schaffen und so suchten wir nach einer Unterkunft für die Nacht. In der vorletzten Kleinstadt vor der Grenze, Przeworsk, fanden wir sie denn auch in Form eines Campingplatzes aus Brigittes Campingführer. Er wurde dort als ideal für Ukrainereisende angepriesen und war in der Tat sehr gemütlich und mit allem Komfort ausgelegt, den man von westeuropäischen Campingplätzen gewohnt ist. Das abgezäunte Areal beherbergte neben dem Platz auch noch ein Restaurant und ein Freilichtmuseum über polnische Holzarchitektur. Wären wir nicht angesichts meines knapp bemessenen Urlaubs und meiner Sehnsucht nach meiner Frau nicht etwas in Eile gewesen, hätten wir dort bestimmt noch etwas mehr Zeit verbracht. So aber gönnten wir uns nur in aller Eile eine Dusche, um danach im Bus bzw. Brigitte in ihrem Zelt nach über bereits 1000 Reisekilometern einen tiefen und ruhigen Schlaf zu finden. Das Abenteuer Osteuropa sollte am nächsten Morgen ausgeruht beginnen.
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