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Zurück nach Deutschland

In den folgenden drei Reisetagen nutzten wir für unsere Rückreise dieselbe Route wie auf dem Hinweg. Über Borisoglebsk, Woronesch und Belgorod fuhren wir ohne besondere Vorkommnisse zurück zur ukrainisch-russischen Grenze, wo dieses mal der Ukrainische Einreisezoll dafür sorgte, dass unser Grenzaufenthalt mit über fünf Stunden wieder äußerst zeitaufwendig war. Sieben Stationen waren zu durchlaufen und durch einen bei Station 2 von einem Grenzbeamten unterschlagenen Laufzettel mussten wir 5 davon zweimal mitmachen. Den Durchquerungszoll der Region Charkow mussten wir dafür dieses mal nicht zahlen und so erreichten wir einen knappen Tag und fünf Polizeikontrollen später erneut Kiew.

Mangels Autobahnring ging es auch dieses mal direkt in die Stadt hinein und kurz vor dem Ziel, der richtigen Ausfallstraße zurück nach Lvov/Lviv und Polen, mussten wir uns natürlich im Kiewer Straßengewirr ein weiteren mal verfahren. Zwar waren wir nur eine Ausfallstraße von der richtigen entfernt, unsere führte in die nordwestukrainische Stadt Korosten, jedoch war der Weg über eine ukrainische Nebenstraße vierzig Kilometern nach Süden zur (richtigen) Autobahn M15 eine langwierige Angelegenheit aus Befragung Einheimischer, Fahren auf halben Feldwegen und durch ukrainische Hinterhöfe.

Vor Lviv übernachteten wir dann ein weiteres mal und nahmen erst am folgenden Tag den Grenzübertritt nach Polen in Angriff. Als wir dort ankamen, stürzten sich Dutzende von südosteuropäisch aussehenden Menschen auf unser Auto und versuchten es entweder ungefragt zu waschen oder aber uns zu überreden, dass wir sie (für 10 Euro) für einen reibungslosen Grenzübertritt in Richtung Polen brauchten.

Wir brauchten sie nicht - die Ausreise aus der Ukraine gestaltete sich sehr einfach und war in 10 Minuten passiert. Länger dauerte es dann bei den Polen, Ukrainische Autos wurden peinlichst genau durchsucht und zweimal wurden vor uns aus der Schlange sogar Wagen zurückgeschickt. Ein Verhalten, dass uns schon ein wenig nervös werden ließ. Grund dafür sind der Schmuggel und illegale Beschäftigung von Ukrainern in Polen. Trotz in Polen noch geringerem Wohlstand als hierzulande sollte man nicht vergessen, dass das Wohlstandsgefälle (und auch z.B. der Zigarettenpreisunterschied) zwischen Polen und der Ukraine mittlerweile ebenso groß ist, wie zwischen Deutschland und seinen polnischen Nachbarn.

Als ein knapp vor uns fahrendes tschechisches Auto (als das erste in der Schlange) fast ohne Kontrolle durchgelassen wurde, entspannten wir uns ein wenig. Und als wenig später wir an der Reihe waren, war nach einem kurzen Blick in den Kofferraum unseres Kleinbusses auch schon Schluss mit der Kontrolle und wir konnten passieren.

Am ersten Campingplatz in Polen - es war derselbe wie auf der Hinfahrt - war dann doch erst einmal eine größere Rast fällig. Dreieinhalb Tage waren wir von morgens bis abends am Stück wieder vom Ural aus unterwegs und hatten auf der Rückfahrt erneut bereits an die 3000 Kilometer hinter uns gebracht. So gönnten wir uns einen halben Tag Pause auf einem Campingplatz mit fast westlichem Niveau, warmen Duschen, einer modernen Sanitärbox und Restaurant. Nach mehreren Wochen Ukraine und Russland war es eine richtiggehend luxuriös anmutende Unterkunft. Holländische Wohnwagen zeigten uns, dass wir der westlichen Heimat schon um einiges näher waren, als es uns so kurz nach dem Grenzübertritt aus Osteuropa bewusst war. Erst nachdem man direkt aus der Ukraine kommt, fällt einem auf, wie westlich Polen mittlerweile im Vergleich zu den Ländern der ehemaligen Sowjetunion bereits ist.

Am nächsten Morgen fuhren wir früh los, durchquerten vorbei an Rzeszow, Krakau und Breslau/Wrozlaw Polen. Ich war zuletzt 1995 in Polen und auf derselben Route Richtung Auschwitz, das ich damals besuchte, unterwegs. Die ehemalige "Reichsautobahn", damals noch im fast-Originalzustand aus dem dritten Reich, war mittlerweile von den Polen auf westliches Niveau ausgebaut worden und außer am letzten Teilstück kurz vor der deutschen Grenze nicht mehr wiederzuerkennen.

Wir fuhren an einem kleinen Grenzübergang in Südostsachsen wieder nach Deutschland hinein. Auf den deutschen Autobahnen hinter der Grenze fuhren wir, was der Bus hergab, vorbei an Dresden, Zwickau, Hof und Bamberg nach Schweinfurt, dem entgültigen Ziel unserer Reise. Nach 9000 Straßenkilometer - davon viertausend hinwärts mit Brigitte und fünftausend im Ural und zurück mit meiner Frau - war ich wieder zu Hause. Nach all der Fahrerei ein äußerst gutes Gefühl.

Da meine ja damals schon schwangere Frau mittlerweile kurz vor der Entbindung steht, ist mit derartigen Abenteuerfahrten vorerst mal Schluss und unsere nächste Russlandreise, in meinem Fall die siebte, wird wohl zwangsläufig wieder mal per Flugzeug stattfinden. Sie wird auch noch ein wenig auf sich warten lassen. Wenn ich jedoch ein generelles Fazit ziehen will, dann das, das diese Reise meiner Frau und mir in jedem Fall Lust auf mehr gemacht hat. Zwar ist unser schöner Postbus mittlerweile verkauft, aber die Zeit wird kommen, da steht sein Nachfolger unten auf der Straße, vollbeladen für eine erneute Reise zum Ural - nur dieses mal von einer ganzen Familie, inklusive einem bis dahin nicht mehr ganz so kleinen Kind.

(zur Übersicht der Uralfahrt HIER)

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