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| Über Tatarstan zurück zur Wolga |
Wie zuvor in Sol-Iljetsk nahe Orenburg verbrachten wir in Ust-Katav eine Reihe von Tagen der Entspannung bei Verwandten. Das Auto verwahrten wir dabei in einem bewachten Parkareal in der Neustadt, das mit stacheldrahtbewehrtem Zaun, Wachhunden und umfangreicher Ausleuchtung in der Nacht ein wenig einem Hochsicherheitstrakt in einem altmodischen Gefängnis glich.
Schließlich kam wieder der Tag des Aufbruchs zur Heimreise und auf der bereits ausführlich geschilderte Todesstraße ging unser Weg zunächst zurück nach Ufa. Von dort fuhren wir jedoch nicht erneut nach Orenburg, was hier südlich von uns lag und ein großer Umweg in Richtung Mitteleuropa gewesen wäre, sondern direkt auf der M5 über den Westen Baschkortostans und eine weitere Republik innerhalb der Russischen Föderation namens Tatarstan zurück zur Wolga. Westlich von Ufa war der Zustand der M5 weitaus besser als im Ural und vier- und zweispurige Stücke wechselten sich stetig ab, immer wieder unterbrochen von Baustellen. Ein durchgehender echt-autobahnmäßiger Ausbau der Strecke von Samara nach Ufa war im vollen Gange, was uns allerdings angesichts der sehr renovierungsbedürftigen und sich überhaupt nicht in Renovierung befindlichen Teilstücks der M5 im Ural nicht so sehr begeisterte.
Wie dem auch sei, wir kamen schnell voran und fuhren vorbei an Ölbohrfeldern und einer leicht gewellten Gras- und Baumlandschaft aus Baschkortostan heraus nach Tatarstan. Lustigerweise waren hier, wo der Sprit direkt aus dem Boden sprudelte, die Benzinpreise, wenn auch wie überall in Russland weiterhin im Vergleich zum westlichen Niveau lächerlich billig, am höchsten. In Tatarstan, Heimat der auch im Westen zumindest dem Namen nach bekannten Tataren, wurde die Landschaft dann erneut steppenähnlicher. Tatarstan wirkte vom Landschaftsbild weniger nationalistisch überfrachtet als Baschkortostan, aber da auf unserer Strecke in dieser Republik keine größeren Städte lagen, konnten wir uns von den asiatisch-mongolisch aussehenden Tataren kein genaueres Bild machen.
Nach dem Durchfahren einer kurzen Ecke des Westrandes der Orenburg-Region waren wir wieder im Raum Samara angekommen. Hier verließen wir die M5 und tuckerten auf einer Nebenstraße an der Wolga entlang in Richtung Balakovo, einer durchschnittlichen Wolgagroßstadt, deren einzige Brücke über den großen Strom zurück nach Westen jedoch gerade gesperrt war. Unterwegs rasteten wir an einem kleinen See. Freilaufende Pferde, unberührte Landschaft, altertümliche Bauernhäuser und ein heimeliges Wäldchen vermittelte einem dort ein Gefühl, sich gerade in einer Szene aus Tom Sawyer und Huckleberry Finn zu befinden. Überhaupt wirkte der Raum Balakovo mit weiten Feldern und kleinen Dörfchen wie eine verschlafene Landprovinz am Ende der Zeit.
Kurz hinter Balakovo trafen wir dann wieder auf unsere Route von der Hinfahrt, die wir nur zwischen Engels und Saratow am späten Abend nochmals verließen, um anstelle der alten Wolgabrücke mitten in der Stadt eine neuere Autobahnbrücke in deren Peripherie zur Überquerung dieses monumentalen Flusses zu benutzen. Nachdem wir mit einiger Mühe die richtige Ausfallstraße von Saratow zurück nach Westen gefunden hatten, schlugen wir in einem kleinen Vorort unser Nachtlager auf.
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