Tscheljabinsk Die Unbekannte mit den vielen Namen |
(Tscheljabinsk) Wohl keine asiatische Millionenmetropole - obwohl auch noch gerade ein paar hundert Kilometer hinter der Grenze nach Europa gelegen – ist den Deutschen schon vom Namen her so wenig geläufig wie diese: Für Tscheljabinsk gibt es aufgrund der unterschiedlichen Übertragungsmöglichkeiten aus dem kyrillischen Alphabet nicht einmal eine einheitliche Schreibweise. Von Tscheljabinsk über viele Schattierungen bis Chelyabinsk kann man alles finden - nur keine größeren Informationen über diese Stadt, die mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern auch in Russland zu den größten des gesamten Landes zählt.
Vielleicht ist der Name auch so wenig geläufig, weil sich die Stadt so weitab von den Touristenströmen befindet, auch fanden hier weder wie Ereignisse der Weltgeschichte statt noch wurde wie in Samara ein weltweit vertriebenen Auto nach der Stadt benannt.
Ein Touristenmagnet wird Tscheljabinsk wohl auch nicht werden - historische Architektur vor dem späten 19. Jahrhundert ist praktisch nicht vorhanden und auch die wenigen interessanten schöneren Gebäude, wie die 1915 gebaute Alexander Newsky Kirche oder das 1903 erbaute Theater, sind jüngeren Datums. Einer der Gründe hierfür ist natürlich die relativ junge Stadtgeschichte - sie begann erst 1736 mit einem zaristischen Holzfort - ein anderer die geringe Bedeutung historischer Baukunst in kommunistischer Zeit. Während und nach dem Ende der Sowjetunion sind nur vereinzelt interessante Bauten entstanden, so 1984 ein modernes Theater oder 1997 die Basiliuskathedrale. Nur am ´Platz der Revolution´ befindet sich mit den beiden Theatern, einem alten Schmucktor und der obligatorischen Leninstatue ein interessantes Gebäudeensemble, an das sich eine Fußgängerzone mit nett arrangierten Großskulpturen am Straßenrand anschließt.
Prägend im Stadtbild sind vielmehr lange breite Boulevards, die diese gitterförmig und geradlinig durchziehen und von ihren riesigen Ausmaßen einen Vergleich mit denen in Weltstädten wie Paris nicht scheuen müssen. Auch vom Verkehrschaos übrigens, insbesondere zur Hauptverkehrszeit. Über die Straßen läuft der gesamte innerstädtische Verkehr, eine Metro gibt es trotz der Millionengröße der Stadt nicht und das Straßenbahnsystem ist hoffnungslos veraltet und erreicht weite Teile des Stadtgebiets nicht. Trolley- und Linienbusse tragen nahezu die ganze Last des öffentlichen Personenverkehrs und wie in anderen Großstädten im asiatischen Teil Russlands sind auch die Busse fast durchweg uralt und klapprig, die in Westrussland so häufig anzutreffenden gebraucht gekauften Westbusse nicht anzutreffen.
Tscheljabinsk ist geprägt von der Schwerindustrie, die hier viele Arbeitsplätze bietet und von der Stellung als Hauptstadt eines weitverzweigten Oblastes, der russischen Entsprechung eines Bundeslandes. Es gibt eine Universität, einen Flughafen, eine Gemäldegalerie - die Stadt ist Hauptort einer Region etwa halb so groß wie Deutschland, mit den Bergen des Urals im Westen und anschließenden Ebenen mit zahlreichen Seen weiter östlich. Obwohl bereits in Asien gelegen, wirkt die Bevölkerung europäischer als in vielen anderen Gegenden des Urals, in ihrer großen Mehrheit leben hier Russen und keine so große Zahl von Angehörigen uralisch-asiatischer Völker.
Zu erreichen ist Tscheljabinsk von Mitteleuropa aus auf vielen Wegen. Es gibt allerdings nur wenige Direktflüge der kleinen russischen Fluggesellschaft Encor, flexibler zu erreichen ist die Stadt per Flugzeug mit Aeroflot oder Pulkovo via Moskau oder Sankt Petersburg. Mit der Bahn gibt es ab Berlin in der Reisesaison einen direkten Kurswagen, der jedoch vier Tage und Nächte unterwegs ist, per Auto ist die Stadt kaum zu verfehlen: Ab Moskau ostwärts auf der Autobahn M5 Richtung Sibirien vorbei an Ufa und durch Baschkortostan und kurz nachdem der Ural aufhört, ist man nach einer sicherlich abenteuerlichen Fahrt da.
Weblinks: - Informationen zur Region Tscheljabinsk hier klicken
- Offizielle Homepage von Tscheljabinsk hier klicken (russisch)
- Buchtipp: A.W. Karpenko: Sowjetisch-Russische Panzer, mit vielen in Tscheljabinsk gefertigten Typen - hier klicken
(Kurzinfos und Links zu weiteren Orten und Republiken der Uralregion finden sich HIER)
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