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Saratow - mediterrane Wolgastadt

Saratow - Wolgastrand Saratow

(Saratow) Gelegen an der mittleren Wolga ist es eine Stadt zwischen deutscher Vergangenheit, mediterranem Flair und russischer Gegenwart. Die Rede ist von Saratow, einer im Westen weitgehend unbekannten Metropole mit einer knappen Million Einwohnern, die neben einer bewegten Geschichte auch ein reizvolles Ambiente zu bieten hat.

Mediterran - dieses Attribut fällt dem Besucher der Stadt allerdings nur im Sommerhalbjahr ein. Hat das Wasser der Wolga im Sommer badefreundliche 23 Grad, ist sie im Winter meist von einer geschlossenen Eisschicht bedeckt. Auch angenehme Lufttemperaturen von durchschnittlich 24 Grad im Sommer (inklusive der Nächte !) fallen im Winter auf weit unter Null - der kontinentale Charakter des Klimas macht sich hier bemerkbar.

Den unzweifelhaft schönsten Blick auf die Stadt hat man, wenn man aus Westen kommend von den Wolgahöhen herunter zur Stadt fährt. Ein unendliches Meer von Häusern – von Architektur des 19. Jahrhunderts über Relikte aus der Sowjetzeit bis hin zu postkommunistischen modernen Gebäuden überschaut man von oben, begrenzt nur von den mächtigen Fluten der Wolga, die am fernen Horizont eine unendlich lang wirkende Brücke überspannt.

Zwei Brücken führen über den vor allem hier unzweifelhaft mächtigsten Fluss Europas, beide knapp drei Kilometer lang, was schon für sich für die majestätische Größe der Wolga auf der Höhe von Saratow spricht. Das umgebende Hügelland der Wolgahöhen rundet eine landschaftlich mehr als reizvolle Umgebung ab.

Über 400 Jahre ist die Stadt – wie so viele in Russland als Zarenfestung gegründet – alt, jedoch stammt fast die komplette heute vorhandene Architektur aus den beiden letzten Jahrhunderten. Das muss jedoch nicht gegen ihre Schönheit sprechen, denn in Saratow gibt es sehr viele romantische Villen und öffentliche Gebäude aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Diese, gepaart mit für russische Verhältnisse relativ viel mediterranem Grün, der blau schimmernden Wolga und einem stetig fließenden chaotischen Verkehr in der Stadt lassen oft einen Eindruck entstehen, als befinde man sich hier in einer Art russischem Teil der östlichen Mittelmeerküste.

Doch nicht nur an das Mittelmeer erinnert der ältere Teil der vorhandenen Architektur. deutsche Siedler haben in Saratow ebenfalls zahlreiche Spuren hinterlassen. Das Gebiet von Saratow zählte bis zur Deportation im 2. Weltkrieg nach Kasachstan und Sibirien zu den bevorzugten Siedlungsgebieten der Russlandddeutschen. Es gab eine "Niemetzkaja" – eine deutsche Straße, an die nach dem Ende des Kommunismus wieder ein Schild erinnert Die Deutschen hatten im 19. Jahrhundert einen entscheidenden Anteil am Aufschwung der zuvor noch kleinen Stadt und nicht zuletzt deswegen bilden Gebäude aus dieser Blütezeit, als Saratow die viertgrößte Stadt des damaligen Russlands war, einen so großen Teil an der vorhandenen Baumasse.

Stolz ist man hier jedoch nicht nur auf Ambiente und Architektur. Die Stadtherren sehen Saratow selbst gerne auch als Stadt der Wissenschaft und Kultur. Fünf Theater, vier Museen, eine Universität und zahlreiche Forschungs- und Bildungsanstalten gibt es in Saratow, darunter ein Kunstmuseum mit sage und schreibe mehr als 16.000 Exponaten.

Touristisch ist Saratow mehr erschlossen, als viele andere Städte Russlands, auch wenn die vorhandene Infrastruktur sich natürlich nicht mit den Mega-Touristenmagneten Moskau und Sankt Petersburg vergleichen kann. Es gibt viele Cafés, Hotels mit westlichem Standart und Restaurants, Casino´s, Wolga-Schifffahrten und natürlich den Wolgastrand. Zum Ausgleich für das etwas schmalere Angebot wird jedoch auch der Geldbeutel etwas weniger geschmälert, als in den beiden Top-Metropolen des Landes.

Alles in allem ist Saratow ein ein "must-see" auf allen Reisen an der Wolga entlang und durchaus auch vom weit entfernten Deutschland eine Reise wert. Erreichbar ist die Stadt mit dem Flugzeug über Moskau, im Sommer auch direkt ab Deutschland, mit der Bahn oder auch mit dem Auto auf einer leicht abenteuerlichen Fahrt über die Ukraine und die großen westrussischen Ebenen.

(Kurzinfos und Links zu weiteren Städten der Wolgaregion finden sich HIER)

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