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Samara - Metropole an der Wolga

(Samara) Samara – die allermeisten Westeuropäer denken beim hören dieses Begriffes wohl als allererstes schlicht und ergreifend an ein Auto des russischen Industrieriesen Lada. Das dieses Auto gar nicht in der gleichnamigen 1,2-Millionen-Metropole Russlands an der mittleren Wolga gebaut wird und diese Stadt mit Sicherheit einiges Interessanteres zu bieten hat, als das Namensvorbild für ein bekanntes Automodell, ist trotz ihrer für zentraleuropäischen Verhältnisse immensen Größe Nicht-Russland-Kennern kaum bekannt.

Samara – wie so viele andere Städte Russlands trug auch diese diesen ihren heutigen Namen nicht immer. Kuibyschew, so hieß Samara in der Ära des Kommunismus, benannt nach einem Helden der Oktoberrevolution und noch heute ist der größte zentrale Platz der Stadt nach diesem ihrem Sohn benannt. Doch im Zuge der allgemeinen Rückbenennungswelle erhielt auch Samara, das im 16. Jahrhundert als zaristische Festung gegründet worden ist, seinen so viel einfacher über westliche Lippen gehenden traditionellen Namen zurück.

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Doch nicht nur bezüglich der Namensgebung hat man in Samara den Eindruck, dass 70 Jahre kommunistische Herrschaft weggewischt werden sollen. Auch architektonisch fallen in dieser Stadt neben gut erhaltenen Gebäuden des 19. Jahrhunderts, darunter einem bedeutenden Theater, vor allem in den letzten 10 Jahren extrem modernistisch gebaute Werke aus Glas, Beton und Stahl auf. Auch viele kommunistische Einheitsbauwerke wurden mit Zierrat im Stil der 90er Jahre – ob Anbauten, Glasfronten, farbenfrohe Anstriche oder verzierende Muster - wahrlich zugeschmückt. Wohl nirgendwo außer in Moskau und Sankt Petersburg gibt es in Russland so viel modern-monströse Architektur. Ein Paradebeispiel ist der neue Bahnhof, schon von weitem sichtbar durch einen alles überragenden Glasturm, der von außen auch so manches in den 90er Jahren herausgeputztes westliche Prestigeobjekt wie den Berliner Bahnhof Zoo in den Schatten stellt.

Doch nicht nur architektonisch ist ein Vergleich Samaras mit der russischen Hauptstadt so weit hergeholt. Auch historisch war Samara einmal zumindest vorübergehend als Hauptstadt vorgesehen. Als im Zweiten Weltkrieg die deutsche Wehrmacht vor Moskau stand, war natürlich auch Stalin im Besitz eines Ausweichhauptquartiers für den Falle des Falles. Samara sollte diese Nothauptstadt werden und noch immer zeugt ein riesiger und bis zum Ende des Zeitalter des Kommunismus streng geheimer Bunkerkomplex von diesen Plänen. Heute kann man den Stalin-Bunker – den der Diktator allerdings nie benutzte – besichtigen. Jedoch soll allzu authentizitätsverliebte Geschichtsfans hiervon nicht zu viel versprechen. Die Besichtigungstourneen gleichen mit passender Musikuntermalung und elektronischen Effekten eher einer B-Movie-Horrorshow, als einer zeitgeschichtlichen Führung.

Berühmt ist Samara für seinen über 50 km langen Wolgastrand und eine wunderschöne umgebende Naturlandschaft . Der Fluß zeigt auf der Höhe der Stadt bereits in majestätischer Größe die Erhabenheit des mächtigsten Strom Europas. Wie ein riesiger Bandwurm schlängelt sich die Metropole am Fluß entlang. Schon so mancher Tourist oder Geschäftsreisender hat fast alle seine Abende an den langen Strandpromenaden Samaras verbracht, auch wenn das Discotheken-Nachtleben ebenfalls nicht zu verachten sein soll.

Samara zu erreichen ist von Deutschland aus sehr einfach. Direktflüge der Lufthansa ab Frankfurt/Main existieren ebenso wie Aeroflot-Verbindungen via Moskau. Der Flughafen ist sehr weit vom Stadtzentrum entfernt (ca. 60 km) und entspricht in der Größe denen anderer russischen Großstädte zwischen Wolga und Ural. Einen Direktzug ohne Umsteigen für Bahnbegeisterte von Deutschland gibt es ganzjährig in die Nachbarmetropole Saratov, von wo täglich Schnellzüge zum hochmodernen Hauptbahnhof Samara fahren. Mit dem Auto ist man bei nur-Tag-Fahrten etwa drei Tage ab deutscher Ostgrenze unterwegs, verschiedene Reisegesellschaften bieten auch Linienbusverbindungen für Hartgesottene.

So bietet Samara denn also sehr viel – allerdings keine Autofabrik. Denn der oben genannte Lada Samara wird wie die meisten andern Modelle dieser Marke in Togliatti gefertigt, allerdings für russische Verhältnisse nur etwa 100 km entfernt in fast unmittelbarer Nachbarschaft.

Weblinks:

(Kurzinfos und Links zu weiteren Städten der Wolgaregion finden sich HIER, Fotogallerie Samara HIER, InRussland NET-Sonderseite Samara HIER)

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