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Polarnacht am tiefsten Loch der Welt
Die Halbinsel Kola am Nordwestrand Russlands

(Kola) Kaum eine Gegend in Europa ist im deutschsprachigen Raum so unbekannt wie diese. Während die Nachbarhalbinsel Skandinavien wohl jedem ein Begriff ist, taugt der östliche Nachbar Kola - immerhin größer als Griechenland - wahrscheinlich exzellent für eine kaum lösbare 500.000-Euro-Frage in einer Gameshow. Dabei ist der unberührte Teil der Halbinsel im arktischen Sommer mittlerweile ein Geheimtipp unter Trekking- und Offroad-Fans und stand in ihrer Geschichte sogar mal im Zentrum des geographischen Weltinteresses: Als man hier mit 12.281 Metern Tiefe das tiefste Loch der Welt bohrte. Halbinsel Kola
Satellitenfoto der Halbinsel Kola (Foto: NASA)

Die Halbinsel Kola ist ein einsames, dünn besiedeltes Land. Dörfer findet man in der weiten Naturlandschaft fast gar keine - 92 % der Bewohner leben in den wenigen Städten. Kola liegt komplett nördlich des Polarkreises. So gibt es am Polartag 23 Stunden Sonnenschein, in der winterlichen Polarnacht dagegen ist es in 23stündige Dunkelheit gehüllt. Wer jetzt denkt, diese Gegend ist doch bestimmt zu eisig, um seinen Fuß dahin zu setzen, täuscht. Für russische und polare Verhältnisse herrschen hier selbst im Januar für gewöhnlich gemäßigte Temperaturen - gerade einmal -8 bis -15 Grad Celsius. „Schuld“ hat der Golfstrom, der hier seine Reise quer über den Atlantik um Skandinavien herum beendet und Murmansk, die einzige Metropole der ganzen Region, zu einem wichtigen eisfreien Hafen im Nordpolarmeer macht.

Auf Touren durch Gebirgs- und Flusslandschaften kann man in den vereinsamten Gegenden höchstens auf ein paar Geographen stoßen. Auf Kola finden sich nämlich einzigartige Gesteinsformationen, die seit über 2 ½ Milliarden Jahre nahezu unverändert bestehen und die Gegend zum Ziel so mancher Fachexkursion macht. Und auch zum Schauplatz eines einzigartigen Forschungs-Vorhabens: Im Jahr 1970 startete man hier in der Nähe der Stadt Sapoljarnyj die sogenannte Kola-Bohrung - noch heute das tiefste Loch der ganzen Welt. 1994, als die Sowjetunion bereits ihren Geist aufgegeben hatte, erreichte man nach über 20 Jahren Bohrzeit 12.281 Meter. Das Bohrgelände kann man noch heute besichtigen, auch wenn in dem sowjetisch ausgestatteten Bohrzentrum ein wenig der Rost zu wachsen begonnen und der Putz von den Wänden zu fallen begonnen hat.

Im Rekordgestein der Halbinsel sind zahlreiche Bodenschätze zu finden - Apatit, Nickel, Kupfer und Eisenerz. Ein Grund, warum das Umfeld der Städte oft unter massiver Umweltverschmutzung zu leiden hat. Wer also einen abenteuerlichen Trip auf diese weitgehend unerschlossene Halbinsel plant, sollte den Gürtel rund um die Bergbaustädte meiden, auch wenn die Zeiten der größten Verschmutzungen auch hier im entlegensten Winkel des europäischen Russland bereits seit einigen Jahrzehnten vorbei sind. Reizvoller sind hier schon die ebenfalls zu findende völlig unberührte arktische Tundra, ein Paradies für Angler, Polarurlaub-Fans und Naturromantiker.

Die Halbinsel Kola ist von Sankt Petersburg aus sowohl mit der berühmten Murmanbahn, einer Anfang des letzten Jahrhunderts gebauten Eisenbahnstrecke, als auch per Auto auf einer Fernstraße zu erreichen. Von finnischen und norwegischen Grenzübergängen führen ebenfalls Pisten in die Region. Einen Flughafen mit hauptsächlich innerrussischer Anbindung findet sich in Murmansk, das leider nur durch die verrottende sowjetische U-Boot-Flotte traurige Berühmtheit erlangt hat, auf deren Besichtigung man lieber verzichten sollte.

(Kurzinfos und Links zu weiteren Orten der russischen Polarregion finden sich HIER)

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