Es ist nicht einfach, eine Reportage über das zwielichtige Thema Wodka in der russischen Gesellschaft zu filmen und dabei nicht nur in Klischees zu verfallen.
Lichtfilm ist es gelungen – mit dem interessanten Konzept, drei dortige grundverschiedene Wodkaliebhaber über eine Woche ihres Lebens zu begleiten. Vor allem in den Zeiten ihres Wässerchen-„Kontakts“.
Da ist Kostja, der (wohl unvermeidliche) harte Alkoholiker, den man hauptsächlich bei nur einer Beschäftigung antreffen kann, egal ob in der Kneipe, auf der Straße oder sogar am Grab seines wegen des Alkohols verstorbenen Freundes. Da ist aber auch noch Lew, der philosophisch angehauchte Petersburger Gymnasiallehrer und trinkfeste Genussmensch oder Rostislaw, der Moskauer Top-Manager, der dem Wodka vor allem betriebswirtschaftliche Seiten abgewinnt und ihn selbst nur in kleinen Mengen genießt. Wenn es das Business verlangt (Zitat: „Wenn man gar nichts trinkt, denken die Leute, man führt etwas im Schilde“).
Unterbrochen wird der Wochenablauf des Trios immer wieder durch chronologische Rückblicke in die russische Wodkageschichte – von den Zaren über Stalin, die Perestroika, Jelzin bis hin zu Putin. Diese sind mit interessanten Schnitten und Effekten gut in Szene gesetzt und werden etwas derb, aber nicht unpassend kommentiert vom Bestseller-Autor Wladimir Kaminer („Russendisco“). Gerade Jelzin lieferte als „Praktiker“ zum Thema Wodka natürlich einiges an passendem Material.
So kommt in den 60 Minuten keine Langeweile auf und der nötige Tiefgang – die Dokumentation wurde ursprünglich für ARTE und den WDR gedreht – bleibt erhalten. Nur die etwas effekthascherischen Tagestitel im Wochenverlauf („Samstag-Sauftag“ „Mittwoch-Pleitetag“ usw.) hätte man sich sparen können. Die passen häufig nur zum durch die Bilder torkelnden Berufsalkoholiker Kostja. Auch der trinkfeste Lew frönt seiner Leidenschaft in Sankt Petersburger Clubs, die nichts für Leute sind, deren Lohn nach dem Rausch für diese Woche schon verbraucht ist.
Alles in allem jedoch nur ein kleiner Schönheitsfehler, der den Filmgenuss für Dokufans nicht wirklich schmälert. Regisseur Alexej Khanyutin und seinem Team war auf jeden Fall an einer tiefer gehenden Schilderung der Stellung des Wodkas in der russischen Gesellschaft gelegen. Die unübersehbaren düsteren Seiten werden dabei nicht verharmlost und das wäre auch nicht richtig gewesen. Das „neue“ Russland, in dem durchaus andere Arten von Entertainment angesagt sind, wird ebenfalls nicht verschwiegen.
Ein Kauftipp also für alle Russland- und Wodkainteressierten, wobei vor allem letztere ja nicht gerade mit gutem Material auf DVD überschwemmt werden. Die Silberscheibe wird dreisprachig (wahlweise Deutsch-Englisch-Französisch) ausgeliefert und ist eine Produktion von Lichtfilm und Parallax Pictures. Zu haben ist sie überall im Handel.
(Mehr zu russischem Wodka im gleichnahmigen Buch, weiteres dazu hier)
Weblinks:
- Wodka.de.tt - alles über russischen Wodka hier klicken
- Filmtipp: Wodka - Nationalprodukt Nummer 1 - hier klicken
- Buchtipp: Russischer Wodka - Wodka in Russland, Wodka aus Russland - hier klicken
(Sonderseite Moskau HIER, Sonderseite Sankt Petersburg HIER. Kurzinfos und Links zu weiteren Städten Zentralrusslands finden sich HIER, Sonderseite Moskau HIER.)