So der Arbat. Bereits im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt ist er einer der ältesten Straßen der Stadt. Früher am Stadtrand gelegen ist er nun - einen knappen Kilometer vom Kreml entfernt - in der Mitte des Moskauer Stadtkerns. Bekannt ist die Straße als mehrfacher Schauplatz russischer Geschichte. Hier war die berüchtigte Leibgarde des Zaren Iwans des Schrecklichen untergebracht, hier reisten auch die folgenden Zaren auf ihren Wegen von und zum Kreml. Im 18. Jahrhundert wurde die Straße dann als Rubljovka-Vorgänger Wohnort der Reichen und Mächtigen - prunkvolle Adelspaläste entstanden. Während des dunklen napoleonischen Intermezzos in Moskau zogen französische Truppen vorbei, gegen Ende des 19. Jahrhundert setzte sich der Jugendstil durch und die Straße wurde ein Moskauer Künstlerquartier.
Von der wechselvollen Geschichte kündet viele bemerkenswerte Bauwerke. So das Restaurant „Praga“, zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Künstlertreff von Weltformat. Eine heute bekannte Kulturstätte am Arbat ist das Wachtangow-Theater. Hier gastieren regelmäßig bekannte Ensembles aus der gesamten Russischen Föderation. Nicht weit davon befinden sich das Melnikow-Haus, eines der avantgartistischten Bauwerke Moskaus und das Puschkin-Haus, in dem der russische Nationaldichter einige Monate gewohnt hat. Den Abschluss der Straße bildet schließlich das Russische Außenministerium, ein Monumentalbau im stalinistischen Zuckerbäckerstil.
Ein weiterer berühmter Verkehrsweg ist die Twerskaja Uliza. Sie beginnt direkt am Kreml und läuft von hier zwei Kilometer stadtauswärts in Richtung Twer. Auch hier entstanden die ersten Häuser bereits im Mittelalter. Sie spielte als Heimat der Reichen noch früher eine Rolle als der Arbat - zur Zeit der Bojaren vor dem 16. Jahrhundert. Mit der Verlegung des Regierungssitzes nach Sankt Petersburg wurde die Fortsetzung der Twerskaja Uliza bis in die neue Newa-Metropole verlängert und die Straße eine der wichtigsten der Stadt. Der Gouverneur von Moskau residierte hier nur noch heute wird sein Palast von der Stadtverwaltung genutzt. Aufgrund der häufigen Durchreisen der Herrscher zwischen alter und neuer Residenz wurde sie zeitweise Zarenstraße genannt.
Die Sowjetunion brachte eine völlige Umgestaltung des Straßencharakters. Gebäude im Stil des „Sozialistischen Realismus“ verdrängten zahlreiche alte Kirchen, die Twerskaja wurde in Gorki-Straße umbekannt. Heute im neuen Russland hat sie ihren alten Namen wieder erhalten und dient vor allem als Hauptverkehrsader, für Feste, Open-Air-Konzerte und die eine oder andere politische Demonstration zum Kreml. Die größten Sehenswürdigkeiten hier sind das Denkmal des Moskauer Stadtgründers Juri Dolgoruki, der Feinkostenladen Jelissjew, einer der nobelsten Supermärkte der Stadt (bekannt schon aus der Zarenzeit) und das Fünf-Sterne-Hotel „National“ aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Bekannt ist Moskau für seine zahlreichen Ringstraßen, von denen jede eine eigene Geschichte besitzt. So ganz innen der Boulevardring, der entlang der Stadtbefestigung im 17. und 18. Jahrhundert verläuft. Vorbild waren - wie der Name schon vermuten lässt - die Prachtstraßen von Paris. Etwas weiter außen verläuft - teilweise parallel zur Kreislinie der Metro - der Gartenring. Wo früher Gärten lagen, befindet sich jedoch seit den 1960er Jahren eine Stadtautobahn. Russlandtypisch gibt es an ihr direkte Kreuzungen und Fußgängerüberwege und keine Abschottung vom übrigen Verkehr. Keinen eigenen Namen haben der dritte und vierte Verkehrsring, die beiden jüngsten der Kreisstrecken, die zum Teil erst im Entstehen sind. Ganz außen schließlich verläuft der MKAD. Hier handelt es sich um eine sage und schreibe zehnspurige Mammut-Autobahn. Und was dabei das unglaublichste ist: Sie ist trotzdem häufig überlastet, auch wegen Planungsfehlern bei den Auf- und Ausfahrten. Von der Ringautobahn führen Magistralen in alle Himmelsrichtungen von Weißrussland bis nach Russisch Fernost.
Ob nun Ring- oder Reichenstraßen, Moskau hat sowohl viel berühmtes als auch groß dimensioniertes Pflaster zu bieten - oft verborgen unter einem dauerhaften Verkehrsinfarkt.
Weblinks:
- Moskauer Deutsche Zeitunghier klicken
- Rubljovka-Homepage zur Dokumentation hier klicken
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(Kurzinfos und Links zu weiteren Orten Zentralrusslands finden sich HIER, Sonderseite Moskau HIER)