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Im Riesenreich der Mini-Metros
Russlands U-Bahnen östlich von Moskau

(Wolga/Ural/Sibirien) Russland, Riesenland. Im größten Staat der Erde gibt es 12 Millionenmetropolen und demzufolge auch 11 Städte mit eigenem im Ausbau befindlichen U-Bahnsystem. Doch sieben davon bestehen bis heute real nur aus einer einzigen und zwei aus zwei kurzen Linien. Und von den Einlinienbahnen sind gerade mal vier wenigstens zum Teil schon im Betrieb. Den gleich jenseits von Moskau beginnt es, das Riesenreich der Mini-Metros.

Es ist immer die gleiche Geschichte. Irgendwann in der Spätphase der Sowjetunion in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts merken kommunistische Stadtplaner einer beliebigen russischen Millionenmetropole, dass ihr öffentliches Nahverkehrsnetz hoffnungslos überlastet ist. Vielleicht einfach bei der täglichen Fahrt im Stadt- oder Trolleybus. Und dann entsteht er, der Einheitsplan für eine russische Großstadt-Metro, drei Linien im sogenannten Sekantensystem, als mit einem Dreieck in der Mitte, drei zentralen Umsteigestationen und sternförmig in die Vorstädte verlaufenden Linien. Bis zur Eröffnung der ersten drei bis vier Stationen der ersten Linie etwa zehn bis zwanzig Jahre später lag dann die Sowjetunion schon in den letzten Zügen oder hatte diese bereits hinter sich gebracht.

Wer nun denkt, das neue kapitalistische Russland versetzte danach dem U-Bahnbau einen großen Schub, irrt. Denn im Schneckentempo ging allerorten in den 90ern die Eröffnung weiterer Stationen weiter und so blieb es außer in Nischni Nowgorod und Nowosibirsk denn auch bis auf den heutigen Tag bei allen Metros östlich von Moskau bei einer einzigen Linie. Die Bilder gleichen sich: In Samara wurde zwischen 1992 und 2002 eine einzige neue U-Bahnstation eröffnet, das gesamte „Netz“ beträgt nicht einmal 11 Kilometer. In Jekaterinburg waren es im gleichen Zeitraum drei Stationen, seitdem nur noch eine, die das System auf neun Kilometer verlängerte, in Kasan (8,4 km) wurde die 1986 geplante U-Bahn gerade erst 2005 - gerade noch rechtzeitig zur 1000-Jahr-Feier - überhaupt erst eröffnet. Wie klein die Metronetze sind zeigt vor allem Vergleiche mit Systemen in vergleichbar großen Städten in Mitteleuropa: München 98,4 Kilometer, Wien 65,6 Kilometer und Prag 54,7 Kilometer.

Doch die vorgenannten russischen Städte hatten noch Glück, denn ihre Bewohner können auf ihrer einen Linie immerhin fahren. Die Krasnojarsker warten seit 1993 vergeblich auf der Eröffnung ihrer Metro, die bereits für 2002 angekündigt war, im Omsk und Tscheljabinsk baut man trotz mehrere Eröffnungsankündigungen ergebnislos seit 1992 und in Ufa wurde das ganze Metroprojekt sogar 2005 nach zuvor achtjähriger Bauzeit eingestellt. Alte Bauarbeiten mussten bereits in einzelnen Städten konserviert werden, damit sie nicht verfielen, bevor man an neuer Stelle fertig gebaut hatte. Bei diesem Ausbautempo wird wohl auch dieses Jahrhundert die Fertigstellung der vor langer Zeit hübsch geplanten Sekantennetze in allen Städten östlich von Moskau nicht mehr erleben.

Der Grund für die russische Metromisere ist überall der gleiche: Ein leerer Geldbeutel der Stadtverwaltungen verschleppt jeden Ausbau und so wird immer wieder nur sporadisch mal hier und mal dort um ein Statiönchen erweitert. Wenn überhaupt. In Krasnojarsk war man soweit, dass die Baufirma schon drohte, wegen der offenen Rechnungen ihre Maschinen zum Ausbau der Metro Nowosibirsk abzuziehen - während dieselbe Firma in Nowosibirsk ähnliche Drohungen über einen Abzug nach Krasnojarsk ausstieß.

Währendessen schleppen sich überall überfüllte Busse und Trolleybusse über überfüllte Metropolenstraßen. Denn einen mangelnden Bedarf an Metroverbindungen gibt es in allen Städten nicht. So beförderte allein die einzige Linie der Metro Samara seit dem Millennium jährlich konsequent mehr als 23 Millionen Fahrgäste, auf den etwa 15 Kilometern in Nischni Nowgorod waren es pro Jahr gar etwa 60 Millionen. Aber vielleicht wird es ja auch in Russland eines Tages die große verkehrspolitische Wende geben, ab der zur Verstopfung der Straßen auch der Umweltgedanke als Argument für einen weiteren Ausbau akzeptiert wird. Die weltweit wartenden Metro-Fangemeinde würde es auf jeden Fall danken.

Weblinks:

  • Fanseite Metro Nowosibirsk (engl.) hier klicken
  • Fanseite der Metro Jekaterinburg (russ.) hier klicken
  • Buchtipp: Metro Moskau, das Mammutwerk über den ersten U-Bahnbau in Russland hier klicken

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Andreas Obieglo_Caro Weißenberg

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