Foto: (c) ISF Distribution
(Moskau) Für den Mitteleuropäer wohl unfassbar - aber in Russland weit verbreitet sind Rezepte und Mittelchen auf Wodkabasis, die so gut wie gegen jede Krankheit helfen sollen. Sei es gegen Erkältung, Krebs oder -das ist wirklich das tollste - Alkoholismus. Die Seriosität schwankt zwischen Volksmedizin und purem Hokuspokus. Sogar in der Kosmetik soll es Anwendungen geben.
In der Tat ist es nicht so abwegig, dass Wodka in der Heilkunst eingesetzt wird. Bereits die Alchimisten und Quacksalber des ausgehenden Mittelalters führten hier Experimente durch und überlieferten zahlreiche Rezepte und Anwendungsmethoden, wie man das Wässerchen für Heilzwecke verwendet oder verwendbar macht. Die Suche nach derartigen Rezepten und Methoden hielt auch an, als der Wodka immer deutlicher seine - im Übermaß genossen - gesundheitsschädliche Wirkung zeigte.
In purer Form wurde Wodka Jahrhunderte lang vor allem zur Wundinfektion (äußerlich) und als Betäubungsmittel bei damals recht grausamen Operationen (innerlich) eingesetzt. Doch auch als Einreibemittel bei Fieber wegen der guten Verdunstungs- und Kühleigenschaften, ebenso zum Tränken von Wundkompressen. Selbst bei Ohrenschmerzen wurde das Wässerchen in die Gehörgänge geträufelt - heute meistens in Form entsprechend getränkter Wattestäbchen.
Ausgefeilter sind dann die vorgeblichen Heileigenschaften von Wodka, in die diverse andere Naturprodukte längere Zeit eingelegt worden sind (Aromatisierungen) oder die man mit Wodka gemischt hat (Tinkturen/Liköre). So sagt man Wodka mit eingelegten Birkenblättern und -knospen Wirkung gegen Erkältungen und Bauchschmerzen nach, Pfefferwodka (gibt es auch zu kaufen; wieder ein Grund für Genuss) gegen Erkältung und Husten oder Eichelwodka gegen Gelenkschmerzen. Raffiniertere Mischungen bringen es natürlich auf noch höhere Heilwirkung - Zutaten von Nüssen über verschiedene Kräuter, Gräser, Wurzeln, Blumen und Rinden in diversen Mischungen helfen angeblich gegen ernstere Krankheiten und Gebrechen, von Herzschmerzen, Hormonstörungen, Unfruchtbarkeit bis hin zu Entzündungen und Depressionen.
Die abenteuerlichsten Behauptungen über eine medizinische Wirkung des Wodka gibt es jedoch im Zusammenhang mit Krebs. Hier finden sich noch heute im russischen Internet Mischungen mit verschiedenen zum Teil giftigen Gewächsen wie Schöllkraut gegen alle Krebsarten. Genaue Rezepte sparen wir uns als medizinische Laien hier mal lieber, denn zum Beispiel kann Schöllkraut bei Einnahme zu Erbrechen, blutigen Durchfällen und Kreislaufstörungen führen. Extrakte davon sind jedoch übrigens Bestandteil des umstrittenen österreichischen Krebsmittels Ukrain. Äußerlich wird es in Russland´s Volksmedizin zur Bekämpfung von Warzen verwendet.
Wirklich unglaubwürdig wird es dann, wenn sogar der Alkoholismus mit Wodkamittelchen ausgetrieben werden soll. Meistens enthalten hierzu angeblich dienliche Mischungen recht übel schmeckende Kräuter und Wurzeln, die dann eine Weile regelmäßig in kleinen Dosen mit dem Wodka eingenommen werden müssen. Das Ergebnis dieser Prozedur ist meistens, dass einem dann nach einer Weile schon beim Anblick von Alkohol übel werden soll. Könnte bei Gelegenheitstrinkern klappen, die Heilwirkung bei echter Alkoholkrankheit darf hier jedoch mal bezweifelt werden.
Zum Schluss deshalb doch noch ein harmloseres Anwendungsgebiet für unsere Spirituose - die Kosmetik. Hier gibt es Rezepte für Gesichtslotionen, die aus in Wodka eingelegten Gurken bestehen - zur Hautaufhellung. Falten vorbeugen soll angeblich die regelmäßige Einreibung mit Rosmarinwodka, eine elastischere Haut erreiche man durch die eher unappetitlich Kombination aus Eigelb, Sahne, Zitronensaft und Wodka. Nebenwirkungen wie eventueller leichter Betrunkenengeruch können nicht ausgeschlossen werden.
(Mehr zu russischem Wodka im gleichnahmigen Buch, weiteres dazu hier)
Weblinks:
- Wodka.de.tt - alles über russischen Wodka hier klicken
- Wodka online kaufen beim Vodkahaus hier klicken
- Buchtipp: Russischer Wodka - Wodka in Russland, Wodka aus Russland - hier klicken
(Kurzinfos und Links zu weiteren Städten der Ostseeregion finden sich HIER, Sonderseite Sankt Petersburg HIER. Kurzinfos und Links zu weiteren Städten Zentralrusslands finden sich HIER, Sonderseite Moskau HIER.)