Fotos (v.l.): Georg Dembowski-GFDL, Public Domain, Sansculotte-GFDL
(Moskau) Monumental und klassisch-russisch wirkt sie von außen - die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. Und doch ist das aktuelle Bauwerk gerade einmal seit sechs Jahren fertig gestellt, als exakte Rekonstruktion des 1883 fertig gestellten Originals, der größten orthodoxen Kirche der Welt.
Ausgestattet mit prächtigen Malereien und viel Gold, unzählige aufwändig verzierte Ikonen - die Kirche enttäuscht keinen Moskautouristen, der sie auf der Suche nach osteuropäischem Kirchenprunk besucht. 23 Jahre dauerte der Bau der Originalkirche zwischen 1860 und 1883. Mit moderner Bautechnik, der Spendenfreudigkeit der Gläubigen (Rekonstruktionskosten: knapp 200 Mio. Euro) und dem persönlichen Segen des mächtigen Moskauer Oberbürgermeisters Luschkow nahm dafür die originalgetreue Rekonstruktion nur etwas mehr als ein Drittel der Zeit in Anspruch, von 1992 bis 2000.
Leicht einmal übersieht man einer Besichtigung ein Kleinod: Unter der Kathedrale befindet sich die Verklärungskirche mit einigen wichtigen Ikonen und drei schönen Altaren. Sie wurde im Rahmen der Rekonstruktion bereits 1996 eröffnet und wird vor allem für kleinere Feierlichkeiten wie Kindstaufen, Trauergottesdienste und Hochzeiten genutzt - Rituale übrigens die aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit mit westlichen Riten auch für Nichtgläubige sehenswert sind.
Gleich zweimal hochgezogen werden musste der Kirchenbau wegen dem stalinistischen Regime in den 30er Jahren. Mit Einwilligung des Diktators persönlich wurde die Kirche 1931 gesprengt, um einem Palast der Sowjets Platz zu machen. Wie auch andernorts im Russland dieser Epoche ein kurzsichtiger Plan, denn für das Nachfolge-Bauwerk erwies sich der Untergrund als nicht tragfähig genug. So gab es einige Jahrzehnte lang ein Freibad auf dem historischen Grund, dessen Ende 1990 für eine Rekonstruktion der mächtigen Kirche beschlossen wurde.
Auch ein Ereignis der Kulturgeschichte fand in den Kirchenmauern statt. Niemand geringeres als der Komponist Peter Iljitsch Tschaikowski feierte hier mit überwältigendem Erfolg die Uraufführung seiner bombastischen Ouvertüre 1812. Er wählte das Bauwerk nicht durch Zufall - war doch der Anlass für den ersten Kirchenbau das Gedenken an den Triumph über Napoleon in eben diesem Jahr. Auch heute noch ist die Kirche ein Ort der Musik, zwei in Moskau bekannte orthodoxe Kirchenchöre proben und singen hier,
So wie in der Zeit des 19. Jahrhunderts erstrahlt die Kathedrale auch im neuen Russland wieder mit ihren vergoldeten Kuppeln und ihrem üppigen Innenleben. Da stört es nicht, dass es sich bei ihr zwar um den größten, nicht jedoch den höchsten Kirchenbau Russlands und der orthodoxen Welt handelt. Dieser ist nämlich die Peter-und-Paul-Kathedrale in der Konkurrenzmetropole Sankt Petersburg.
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